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Einen Tag unterwegs mit Lisa vom Krankenpflegeteam Kiel.

7 Uhr. Gerda Wagner öffnet die Tür ihrer Wohnung. „Guten Morgen, Lisa“, begrüßt sie die fröhlich wirkende Frau vor ihrer Tür. Die Krankenpflegerin Lisa O. arbeitet beim Krankenpflegeteam Kiel – und das nun schon seit über acht Jahren. „Guten Morgen, Frau Wagner“, grüßt Lisa mit einem Lächeln zurück.

Die Mutter und begeisterte Hundebesitzerin ist zu diesem Zeitpunkt schon einige Zeit unterwegs. Sie hat in der Zentrale im Königsweg nach aktuellen Änderungen gefragt, Dokumentation und Medikamente übernommen. Und sich ein Stück Obst und frischen Kaffee geholt, der in der Frühstücksecke für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereitsteht. Noch kurz den Schlüssel zu dem von Peter Burkhardt liebevoll gepflegten Dienstwagen geschnappt – und los.

„Um sieben Uhr beginnen wir mit der Morgenpflege unserer Patienten“, erläutert Anja Goldschmidt- Frahm, Geschä[sführerin des von ihr vor 25 Jahren gegründeten Krankenpflegeteam Kiel. „Doch nicht alle unserer Mitarbeiterinnen sind dann schon unterwegs“, sagt die ausgebildete Krankenschwester mit einem Lächeln. Die zweifache Mutter setzt auf etwas, das sie „lebensphasenorientierte Arbeitszeiten“ nennt. Sie ist überzeugt: „In verschiedenen Phasen unseres Lebens haben wir unterschiedliche Wünsche an unsere Arbeit.“ Mal gelte es, neben der Erziehung und Betreuung der eigenen Kinder eine gute und erfüllende Arbeit zu haben, die ordentlich bezahlt ist. Mal gelte es, Zeit für ein aufwändiges Hobby zu haben – mal gelte es, mehr zu arbeiten, da aktuell ein höherer Geldbedarf bestehe, aus welchem Grund auch immer. Die Folge: Alle Mitarbeiter arbeiten genau so viele Wochenstunden, wie sie es gerade brauchen. „Teilzeitvarianten sind bei uns die Regel – nicht die Ausnahme“, sagt Goldschmidt-Frahm stolz – die sich die Leitung mit Pflegedienstleiterin Doris Hübner teilt. In Teilzeit.

7.30 Uhr. Im Königsweg läuft die Verwaltung warm. „Wir nehmen Lisa und Kollegen soviel Bürokrafte und OrganisaTon wie möglich ab“, sagt Doris Heppt, die auch schon seit 20 Jahren im Krankenpflegeteam arbeitet. Denn die Pflegekräfte sollen das Gefühl haben, während der Zeit beim Patienten ganz bei diesen sein zu können – und sich nicht noch mit dem Drumherum von Arbeitsorganisation, Bestellung, Wagenpflege, Dienstplanerstellung und so weiter zu belasten. „Naja, so ganz aus der Pflicht lassen können wir sie nicht“, sagt die Pflegedienstleitung Doris Hübner mit einem Schmunzeln: „Ihre Dienstplanwünsche müssen sie uns schon sagen, sonst können wir die nicht umsetzen.“

Angehörige von Patienten finden beim Krankenpflegeteam Kiel immer ein offenes Ohr – und das sei auch wichtig, so Goldschmidt-Frahm: „Wir vom Pflegeteam sind immer nur punktuell vor Ort – sei es in der Pflege, Betreuung oder bei der hauswirtschaftlichen Unterstützung.“ Die Angehörigen jedoch stünden ihren pflegebedürftigen Familienmitgliedern bis zu 24 Stunden am Tag zur Verfügung. „Um offene Fragen von Angehörigen zu klären, konkrete Entlastung anzubieten und zu besprechen haben wir ein sechsköpfiges Team von Pflegeberaterinnen ins Leben gerufen.“

7.53h Einige Mitarbeiter auf sogenannten Elternrunden beginnen mit der Arbeit. Nachdem sie ihre Kinder versorgt haben. Immer lächelnd? „Nein, natürlich nicht“, so Goldschmidt-Frahm. Immer öfter? „Vielleicht – wir tragen unseren Teil zum Lächeln jedenfalls bei“, ist sich Anja Goldschmidt-Frahm sicher. Sehr niedrige Fluktuation, Mitarbeiter, die im Schnitt mehr als zehn Jahre im Betrieb sind und ein Leitungsteam, das 20 Jahre zusammenarbeitet, geben ihr Recht.

Ein Artikel der KN, Kieler Nachrichten vom April 2019

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