> Blog-Reihe Corona / Teil 2

  • 12. April 2021

Für den zweiten Teil unserer Blog-Reihe konnten wir unsere langjährige Mitarbeiterin Angela Karow gewinnen. Sie berichtet über ihren individuellen Umgang mit der Coronapandemie.

12. April 2021

Angela Karow

Im Garten 300m² schwarze Erde für ein Gemüsebeet, drei Schafe und aktuell drei Lämmer, die sich um die Pflege des Grases auf dem weitläufigen Gelände kümmern und neun Enkelkinder – um die kümmert sich Angela Karow (60) als liebevolle Großmutter.

Das Leben scheint voll – „arbeiten“ geht sie allerdings auch noch: als Palliativ Care Pflegekraft und als Teamleiterin beim Krankenpflegeteam Kiel.

Wie lange sind Sie schon beim Krankenpflegeteam?

Brutto rund 24 Jahre – ich habe mal acht Monate ausgesetzt und woanders ausprobiert, wie es ist.
Habe ich dann schnell wieder sein gelassen – die Umstände dort waren nicht schön – und wieder bei
Anja Goldschmidt-Frahm angefangen. Hier arbeite ich schon lange im Palliativ Care Team – und bin
schon seit über zehn Jahren leidenschaftlich Teamleitung von Team Ost.

Was schätzen Sie an der Arbeit im Krankenpflegeteam?

Ach, hier gibt es immer was Neues, immer etwas Spannendes, Anderes. Das hält jung – und keiner sagt hier: „Das haben wir schon immer so gemacht!“ und will alles beim Alten belassen. Dieses Totschlagargument ist für mich ein Kündigungsgrund – die Pflege kann und muss sich ändern. Und hier ist sie immer in guter Bewegung.

Was hat sich durch die Pandemie im Krankenpflegeteam verändert?

Der Kontakt, zwischen uns und den Patienten aber auch im Team untereinander. Körperkontakt ist wichtig in der Pflege – und jetzt gerade nicht möglich. Mal in den Arm nehmen, berühren – geht gerade nicht. Auch die Gespräche haben sich geändert. Supervision am Telefon ist schwierig: Tränen kann man schlecht hören. Die Erlebnisinformationen gehen verloren – und das ändert den Kontakt.

Nicht alle Menschen, nicht alle Kolleg*innen können gut über ihre Gefühle sprechen und da fehlt die Berührung, das intuitive und direkte Wissen darum, wie es dem Gegenüber gerade geht.

Wie sicher fühlen Sie sich bei der Arbeit?

Sehr sicher. Alle halten sich an die Regeln und wir sind gut geschützt. Wir sind gut mit Schutzkleidung ausgestattet und alle mindestens schon einmal geimpft. Außerdem werden wir seit Dezember 2x wöchentlich getestet. Ich fühle mich im Privaten unsicherer.

Was ist Ihre größte Sorge in der jetzigen Situation?

Unser aller Nervenkostüm wird dünner und angestrengter. Ich muss noch mehr mit mir haushalten und achtsam mit mir umgehen. Ich möchte die Wünsche der Menschen um mich herum erfüllen, für sie da sein. Das ist mir wichtig und Quell von Zufriedenheit. Gerade jetzt ist der Bedarf meiner Mitmenschen nach Zuwendung groß und ich gebe gern – muss allerdings gut aufpassen, mich dabei nicht selbst zu verlieren.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich möchte entspannt in Rente gehen können und danach das Leben noch genießen. Aber bitte ohne Demenz. Richtig lange brauche ich nicht mehr arbeiten, mal schauen, was dann kommt. Mir fällt bestimmt was ein – und sonst sind da ja noch meine Enkel und der Garten und die Schafe und die Lämmer und …

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